Jugendarbeitslosigkeit - Tausende ohne Perspektiven

Das Job Factory-Konzept PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 24. November 2010 um 14:21 Uhr

Soziale Herausforderungen unternehmerisch und im Markt lösen! 

Problem: Jugendarbeitslosigkeit 

Immer mehr Schulabgängern droht die Arbeitslosigkeit. Die Anforderungen der Wirtschaft an Lehrstel­lenbewerbende sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und die Selektionsinstrumente der Betriebe wurden massiv verschärft.

Zwischen Schule und Arbeitswelt ist für viele junge Menschen eine Lücke entstanden, die sie nicht über­brücken können. Trotz vermehrter Bemühungen seitens der Schulen bzw. des Staats und der Wirtschaft konnte diese Lücke nicht geschlossen werden. Aktuell sind rund 50‘000 Jugendliche davon betroffen.

Das Geschäftsmodell der Job Factory schliesst diese Lücke gezielt, und das auf einem neuen Weg. Die Job Factory folgt dabei dem Social Entrepreneur-Ansatz, d.h. der Lösung sozialer Probleme mit unternehmerischen Mitteln und unter Mitwirkung der Kraft des Marktes. Der Initiator der Job Factory in Basel, Robert Roth, wurde dafür 2005 von der Schwab Foundation als erster Social Entrepreneur der Schweiz ausgezeichnet.

 

Job Factory – ein marktwirtschaftliches Unternehmen als Chancenverstärker für Jugendliche

Eine Firma nach dem Geschäftsmodell der Job Factory agiert im freien Markt und bietet ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen und Produkten. Die Geschäftsfelder einer Job Factory stellen einen ausgewogenen Mix in den Bereichen Verkauf, Dienstleistungen und Produktion dar.

Zudem bietet sie 50 oder mehr professionell begleitete Praktikumsplätze zur Berufsvorbereitung für arbeitslose Jugendliche ohne berufliche Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt an. Ziel des berufsvorbereitenden Praktikums ist es, die Jugendlichen innerhalb kürzester Zeit für den Arbeitsmarkt fit zu machen und sie in eine weiterführende Anschlusslösung, z. B. in eine Lehre oder ein Praktikum zu vermitteln.

Innerhalb einer Job Factory gibt es eine Arbeitsteilung zwischen zwei Körperschaften: einer AG und einer Stiftung. Die AG verkauft die Produkte und Dienstleistungen im freien Markt und stellt die Praktikumsplätze für die jungen Erwachsenen bereit. Die Aufgabe der Stiftung ist die professionelle Begleitung der Jugendlichen während des gesamten Praktikums. Hier werden die Jugendlichen begleitet und mit ihnen die schulischen und sozialen Qualifikationen für den Arbeitsmarkt erarbeitet.

Die Arbeitswoche der Job Factory-Praktikanten, die als „Juniors“ bezeichnet werden, besteht aus vier Tagen Arbeiten und je einem halben Tag Schulung und Bewerbungsunterstützung. Die Begleitung und die Vermittlungsarbeit durch einen Coach und einen Personalvermittler fliessen laufend in die Arbeit mit den Jugendlichen ein. Ob im Verkauf, in der Produktion oder im Dienstleistungsbereich – während des Arbeitseinsatzes in einer Job Factory können die Juniors grundlegende und berufsspezifische Arbeitserfahrungen im freien Markt sammeln und trainieren Basiskompetenzen wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit. Sie erfahren erste Erfolgserlebnisse im Berufsalltag und können sich eine Referenz für zukünftige Ausbildungs-  und Arbeitsstellen erarbeiten. Ein berufsvorbereitendes Praktikum in einer Job Factory stellt damit eine realistische und gute Qualifikations- und Orientierungsbasis für Jugendliche dar und verstärkt ihre Chancen auf dem Lehrstellenmarkt.

 

Innovation

Eine Job Factory ist eine marktwirtschaftliche Firma, kein Sozialprogramm. Die Jugendlichen werden damit von Beginn an mit den Herausforderungen des 1. Arbeitsmarktes konfrontiert und somit den üblichen Leistungs- und Ergebnisanforderungen der Wirtschaft ausgesetzt. Um diesen Anforderungen möglichst schnell gewachsen zu sein, werden sie gleichzeitig in einer Intensität betreut, wie es sich ein im Wettbewerb stehendes Unternehmen normaler Weise nicht leisten kann.

Die Geschäftsfelder der AG tragen sich selbst. Die Stiftung erhält aufgrund von Leistungsvereinbarungen  Beiträge der Standortkantone. Das Verhältnis Eigenleistung (Job Factory AG) zu Staatsleistung (Stiftung Job Training) beträgt im Endausbau 80:20, eine äusserst kostengünstige Lösung.

 

Job Factory in Basel

Das Job Factory - Geschäftsmodell stellt eine grosse Chance im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit aber auch eine grosse Herausforderung dar. In Basel konnte erstmals der Tatbeweis erbracht werden, dass das Konzept realistisch und erfolgreich ist (www.jobfactory.ch).

Im Jahr 2000 gründete Robert Roth gemeinsam mit Freunden die Job Factory mit der Überzeugung, dass die wachsenden sozialen Herausforderungen „unternehmerisch und mit der Kraft des Marktes“ gelöst werden müssen. In Basel bietet die Job Factory den Kunden heute attraktive Produkte und Dienstleistungen als Druckerei, IT-Dienstleister, Küchenbauer, Verpackungs- und Recyclingdienstleister, Industriemontage, Möbelmontage, Geschenkboutique, Fashionabteilung, Coiffeursalon, Musicstore mit Gitarrenwerkstatt, Take Away, Restaurant, Catering und Kreativatelier. Insgesamt gibt es in den Betrieben 130 Praktikumsplätze für arbeitslose Jugendliche. 

Was trägt eine Job Factory nach den Erfahrungen in Basel zur Lösung der Jugendarbeitslosigkeitsproblematik bei? Die Resultate in Basel sprechen für sich:  

  • Seit der Gründung wurden über 2000 Jugendliche durch das Berufspraktikum in den Arbeitsmarkt integriert.
  • Im Jahre 2009 haben 214 Jugendliche ihr Praktikum beendet. Die durchschnittliche Einsatzdauer betrug  dabei 4,6 Monate. 191 Jugendliche haben die Probezeit von einem Monat bestanden. Davon absolvierten 65% das Praktikum erfolgreich. Von diesen konnten wiederum 87% in eine weiterführende Anschlusslösung vermittelt werden (Lehre, Praktikum, weiterführende Schule, etc.).
  • Mit der laufenden Überprüfung der Resultate wird mit Sicherheit der volkswirtschaftliche Nutzen dieses Konzeptes nachgewiesen werden.
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Multiplikation

Der Bedarf an Job Factories in anderen Städten ist nachgewiesen. In der Schweiz besteht Potenzial für 15 weitere Job Factories. Die bisherige Praxis, in der der Sozialstaat für sämtliche sozialen Probleme zuständig ist, wird in der Zukunft nur schwer finanzierbar sein. Der Staat ist überlastet,  die Gefässe im 2. Arbeitsmarkt (Arbeitslosenversicherung, IV, Sozialhilfe) sind bald erschöpft und überfordert. Dazu kommt, dass betroffene Menschen in diesen Gefässen zu oft eine Stigmatisierung erleiden. Der Job Factory-Ansatz zeigt einen praktikablen Ausweg aus diesem Dilemma.

Mit der Überzeugung, dass es sich lohnt das erfolgreiche Basler Modell auch in anderen Städten umzusetzen, hat die Job Factory in Basel die Stiftung Job Factories gegründet, deren Aufgabe es ist, die Multiplikation des Job Factory-Modells voranzutreiben. Unter Anderen hat sich eine bedeutende schweizerische Unternehmung mit namhaften Beträgen darin engagiert und steht mit Rat und Tat hinter der Multiplikation.

Im Januar 2010 hat die Stiftung eine Projektleitung mit der Erarbeitung der Grundlagen für die Multiplikation beauftragt. In zwei Städten gibt es aktuell Projektteams,  die gezielt am Aufbau einer Job Factory arbeiten. Mit einer einmaligen Investition von CHF 50´000 kann bereits ein Arbeitsplatz finanziert werden (Installation und Infrastruktur). Dieser Aufwand ist gering im Vergleich zu einem KMU-Arbeitsplatz (CHF 150 – 300´000) oder zu einem Jugendgefängnisplatz (CHF 1 Mio.). 

 

Utopie oder Chance?
Warum soll vor allem mit der Kreativität und Innovationskraft des Marktes ein Problem (Jugendarbeitslosigkeit) gelöst werden, das im Moment der Sozialstaat hat?  Zudem stellt sich die Frage, welchen Nutzen könnte ein solches Engagement für potenzielle Investoren haben? 

Wenn den von Jugendarbeitslosigkeit Betroffenen zu wenig Perspektiven angeboten werden, kommt dass  unsere Gesellschaft, und dazu gehört auch die Wirtschaft, mit Sicherheit teurer zu stehen als eine entschlossene Investition in Projekte wie die Job Factory. Dazu braucht es Eigeninitiative, Weitsicht, Mut und ein Vater- oder Mutterherz.

 

Kontaktdaten  

Stiftung Job Factories, Paul H. Mori, c/o Invethos AG, Bankgässchen 8, 3000 Bern 7,

Tel. +41 (0)31 311 87 09/ +41 (0)79 656 84 67 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. www.stiftung-jobfactories.ch

In der Stiftung Job Factories arbeiten die Job Factory in Basel, www.jobfactory.ch sowie die Stiftungen deStarts www.destarts.ch, sbe www.stiftung-sbe.ch, und gad www.gad.ch zusammen.